Von Letoltingos nach Illingen: Eine lange Reise...
Illingen ohne Burgruine: Undenkbar! Die Ruine der Wasserburg Kerpen ist nicht nur das Wahrzeichen der Gemeinde Illingen, sondern auch eine romatische Kulisse, die Illingen als geschichtsträchtigen Ort bezeugt.
Angefangen bei den hier siedelnden Römern, die ihre kulturellen Spuren im Wustweiler Wald in Form archäologischer Funde, beispielsweise eines römischen Landhauses und eines Gräberfeldes aus der Latène-Zeit um 50 n. Chr. hinterließen, über die Entstehung der Endung des Ortsnamens auf ingen im 5. oder 6. Jahrhundert durch die ansässigen Franken, bis zur erstmaligen urkundlichen Erwähnung anno 893 n. Chr. durch den Bischof Rodbert von Metz.
Zu dieser Zeit gehörte Illingen zum Bliesgau, dem Herrschaftsbereich des karolingischen Gaugrafen Odoaker und besaß bereits eine Kirche, was auf eine Ortsgründung vor 893 hinweist.
Die Burg Kerpen
Die Ill umfließt die Burg in einem Bogen, der sich von Wemmetsweiler bis Hosterhof erstreckt. Hier war das ganze Tal in früheren Zeiten sumpfig und damit schwer zugänglich. So bot es der Festung guten Schutz. Vielleicht ist die Burg ursprünglich eine Fliehburg gewesen und geht zurück auf die Zeit nach der fränkischen Landnahme (7./8. Jh.). Urkundlich erwähnt wird sie erst 1359, in diese Zeit datiert Walther Zimmermann die Burg in ihren Grundzügen.
Ihre Abgeschlossenheit, die einen gewissen Schutz nach Außen gewährleistet, ist noch heute spürbar, wenn man im Burgviereck steht: Das Hofrechteck (20,5 x 24,4 Meter) wird von kräftigen Mauern umfasst, die heute nur noch den Straßenlärm abschirmen. Die beiden südlichen Ecken markieren Reste von Türmen. Die Fläche ist von Linden beschattet - ein idealer Platz zum Ruhen und zum Feiern.
Das Jahr 1913, in dem die mittlere, die Jubiläumslinde gepflanzt worden ist, bedeutet eine Wende im Schicksal der Burg: Sie ging (nachdem sie ein Jahrhundert lang unbewohnt und als Steinbruch genutzt worden war) in den Besitz der Gemeinde über und es begannen umfangreiche Sanierungen unter der Leitung von Kreisbaumeister Dr. Eberbach. Von ihm stammen auch vier Zeichnungen zur Entwicklung der Burg Kerpen und des Ortes Illingen, die eine ungefähre Vorstellung geben können, keineswegs aber nachgewiesene Rekonstruktionen sind!

Wissenswertes zur Burg Kerpen
Heute erreicht man das Burgviereck über eine steinerne Brücke, die auf dem Brückenbogen das Kerpenwappen und die Jahreszahl 1751 trägt. Vorspringend aus den Umfassungsmauern steht der Bergfried mit jetzt immerhin noch neun Metern Höhe an der Südecke des Vierecks. Er heißt auch Kriminalturm, weil sich hier vielleicht das Burgverlies befand. Dieser Turm, der die Landseite der Burg zu den Illwiesen hin zu sichern hatte, war wohl über 20 Meter hoch und hat im Erdgeschoss noch immer eine Mauerstärke von drei Metern. Turm und Umfassungsmauern entstanden gleichzeitig, denn sie verzahnen sich zum Teil.
An der Ostecke steht der Rundturm, mehrfach renoviert und 1973 mit einem Kegeldach geschlossen. Seither beherbergt er im Obergeschoss einen (viel genutzten) Raum zum Feiern, hatte früher aber eine offene Plattform mit Umfassungsmauer. Denn ursprünglich war er ein Verteidigungsturm, was die drei großen Stufenschießscharten im Erdgeschoss belegen. Der Turm trägt romanische (um 1100) und spätgotische (um 1500) Stilelemente: Der Rundbogenfries schmückt das Äußere in der Höhe, spätgotische Kreuzrippengewölbe überspannen die Kapelle (St. Franziskus geweiht) im Inneren.
Bildschmuck und Orgel in der Kapelle sind verschwunden, nur einige Restpfeifen hängen in einem Ständer an der Wand. Das heutige Fenster ist nachträglich gebrochen, denn es besitzt keine gemauerte Laibung. Eine gemeißelte Jahreszahl 1755 schmückt einen in die Wand eingelassenen Sandstein mit Lüftungsloch. An der Nordostseite des Burgvierecks ist die Unterkonstruktion eines Wehrganges mit zwei Eingängen für Kanonen erhalten, auf der Westseite ein niedriges Stück Kaminquadrat (?) und das Reststück einer glatten Säule. Es heißt, diese Stücke entstammten dem Rittersaal. Der alte Burgbrunnen fast in der Mitte des Platzes ist verschüttet, die Kellerkonstruktionen im Boden seien noch unversehrt. Zur Burg zugehörig war eine Reihe von umgebenden Gebäuden, der Schlossbering. Um 1600 erweiterte (oder erneuerte) ihn Hans von Kerpen (1557-1616) im Norden und schloss im Süden die Zehntscheune (heute durch die Straße von der Burg getrennt) ein.
Dicke Mauern und Schießscharten machten die Zehntscheune verteidigungsfähig. Die Fundamente messen überwiegend 2,90 Meter, das aufgehende Mauerwerk 90 Zentimeter Dicke. Ihre Grundfläche hat 50 mal 16 Meter. Im Inneren sieht man noch Bögen der ursprünglichen Tore, Schießscharten und zwei Säulen, deren Reste in eine Wand eingebaut wurden.

Beschreibung der Burg Kerpen
Die Vorburg bildet den nördlichen Teil des Schlossberings und zeigt im unteren Bereich wehrhaften Charakter mit Schießscharten und dicken Mauern. Drei Bauteile unterscheiden sich. Der Fünfeckturm (Dach und Außenmauern sind jeweils fünfteilig) an der Nordwestecke ist vielleicht der älteste Teil der Vorburg.
Im ersten und zweiten Stock gestalten die einfachen Renaissancefenster in immer gleichem Rahmenprofil die Wände. Die kleinen runden Öffnungen im oberen Drittel sollen der Belüftung gedient haben. Eine dieser Öffnungen trägt die Jahreszahl 1605, noch zweimal wiederholt unten im Tordurchgang und in der Inschriftentafel auf der von der Ill abgewandten Seite des Torbaues.
Der Torbau ist stets Blickfang für den Besucher, der sich von Außen nähert. Die vorstehenden Quader am Rundbogen zeigen variierende rustikale Ornamente, die sich beidseitig des Tores in gleicher Höhe wiederholen. Der Schlussstein in der Mitte des Bogens zeigt das Kerpenwappen, den Zickzackbalken.
Zwei schräge Auskerbungen in der Außenwand oberhalb des Wappens sind Reste von irgendeinem Vorbau, vielleicht Altan, vielleicht Erker. Die Inschriftentafel, heute auf der Innenseite des Torbaus angebracht, benennt 1605 die Erbauer des Torbaues: Hans von Kerpen und seine dritte Frau, Anna, geborene von Cronberg. Die Brücke über die Ill ist die nach einem schweren Hochwasser erneuerte Brücke von 1948/49, die sich aber zurückführen lässt bis zu ihrer 1750 erstmals in Stein ausgeführten Vorgängerin.
Zwischen Fünfeckturm und Torbau spannt sich ein 1913 von Dr. Eberbach neu erbautes Wohnhaus. Es wurde 1998 im Zuge eines Erweiterungsbaues in ein Hotel integriert und beherbergt heute separate Speiseräume und historisierende Gästezimmer. Das moderne Hotel mit Restaurant im Erdgeschoss stößt im rechten Winkel an den Vorbau an und erstreckt sich am Ort ehemaliger Wirtschaftsgebäude, die zum Burgbering gehörten.
Auf seiner Rückfront zeigen die freigelegten alten Sandsteinwände mehrere Bauphasen am Stil der Steinbearbeitung. Hier schiebt sich, fast in der Mitte der Mauer, ein altes Versatzstück durch die Mauer hindurch: Ein länglicher rechteckiger Stein trägt Masken auf seinen beiden Stirnseiten. Außen eine tierische Fratze, innen ein menschliches Gesicht. Nach der Form des Steines könnte er ein Abakus gewesen sein, eine Deckplatte über einer Stütze. Manche datieren den Stein in romanische Zeit, die weiche Oberfläche der Masken macht die Zeit um 1600 wahrscheinlicher.

Die Bannmühle
In der Verlängerung des Hotels stand früher die Bannmühle. Sie brannte um 1900 ab. Die Wasser wurden vom Mühlengraben genommen, die Zuleitung soll heute noch vorhanden sein. In dieser Mühle mussten die Leibeigenen ihr Getreide mahlen lassen, damit der Herr Übersicht und Kontrolle über die Erntemengen hatte, die Maßstab für den Zehnten waren.
Aus dem 18. Jahrhundert gibt es zahlreiche Zeugnisse über Versuche der Untertanen anderswo mahlen zu lassen.

