Illrenaturierung
Das renaturierende Quintett

4 + 1 lautet die Erfolgsformel für das wohl ambitionierteste saarländische Naturschutzgroßobjekt der letzten Jahre: Die Täler der Ill und ihrer Nebenbäche.
Liebesheirat oder Zweckgemeinschaft? Der Zweckverband Illrenaturierung vereint vier unterschiedliche Gemeinden zu einem ganz besonderen Quartett: Eppelborn, Illingen, Marpingen und Merchweiler bilden die geographischen, organisatorischen und ideellen Eckpunkte des zweitgrößten saarländischen Schutzgebietes Täler der Ill und ihrer Nebenbäche. Hinzu kam mit der Naturlandstiftung Saar ein renommierter und kompetenter Partner.
Mehr als ein Jahrzehnt wurde gemeinsam geplant und renaturiert. Das Ergebnis ist eine fortdauernde Erfolgsgeschichte.
Auf die Frage, ob das Geld, das Bund (75%), Land (15%) und Kommunen (10%) in die Region investiert haben, sinnvoll angelegt war, antwortete Bürgermeister Armin König in einem Interview: Das Geld ist prima angelegt. Wir haben damit nicht nur den Bach renaturiert und Flächen angekauft, sondern auch Arbeitsplätze bei Firmen gesichert, die Attraktivität des Illtals gestärkt, Identifikation geschaffen und die Lebensqualität verbessert. Die Menschen im Illtal wissen jetzt, wie wertvoll ihre Landschaft ist. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir Teile des Illtals als Natura 2000-Fläche an die EU melden. Im Illtal ist das Thema Naturschutz und nachhaltige Entwicklung zu einer festen Größe geworden. Wir haben Retentionsräume in Auen geschaffen, wir haben mit dem Biber ein sympathisches Wappentier für die Renaturierung gefunden, wir nehmen die Ill als prägenden Wasserlauf unserer Region viel stärker wahr als früher.
Für den Tourismus können wir noch viel mehr tun. Wir müssen und wir können Pakete schnüren: Natur und Kultur, Biberburg und Kerpenburg, Ill und Illipse, Landschaften wie gemalt vor barocker Kulisse - da gibt es große Chancen. Wir müssen dabei natürlich vernetzt denken, über Gemeindegrenzen kooperieren. Die Ill macht ja auch nicht an der Banngrenze halt. Kompliment an die Väter des Projektes, die in unserem Weinkeller im Illinger Rathaus die Illrenaturierung aus der Taufe gehoben haben. Ich denke da vor allem an Werner Woll, Fritz-Hermann Lutz, Klaus Töpfer und Jo Leinen. Ohne Klaus Töpfer wäre das nie möglich gewesen. Und auch mein verstorbener Vorgänger Werner Woll hat viel Weitblick bewiesen, als er dieses Projekt an Land gezogen hat.
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Die Wiederbelebung der Auen schützt vor Hochwasser
Die Überflutungen in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich haben die Bedeutung wirkungsvollen Hochwasserschutzes wieder deutlich gemacht. Der Mensch ist nicht unschuldig an den Problemen, die wir heute auf spektakuläre Art erleben.
Viele ehemalige Überflutungsflächen der Flüsse, die Auen, sind heute trockengelegt, in Äcker oder Pappelplantagen umgewandelt oder zugebaut. Doch vielerorts lassen sie sich renaturieren - das ist oft der wirkungsvollste Hochwasserschutz: Unverbaute Flächen werden wieder durch Dammöffnungen etwa an den Fluss angeschlossen - und damit an die natürliche Dynamik des Stromes. Daraufhin kann sich der gestörte Lebensraum Aue wieder naturgemäß entwickeln. Und auch der Fluss hat wieder mehr Raum, sich natürlich zu entfalten. Es entstehen natürliche Überflutungsflächen, die natürlich von Bebauung frei gehalten werden müssen. Die Wiederbelebung der Auen gehört zu den Zielen, die der Zweckverband Illrenaturierung seit Jahren kontinuierlich verfolgt.

Illingen und seine Biber - Eine tierische Liebe
Seit 1994 gibt es in der Ill wieder Biber. Diese Tierart war lange ausgerottet. Der Zweckverband Illrenaturierung hat sie 1994 wieder ausgesiedelt. Auch Eisvögel, Edelkrebse und Kammmolche sind hier wieder heimisch.
Der Zweckverband wird aus den vier Gemeinden Eppelborn, Illingen, Marpingen und Merchweiler sowie der Naturschutzstiftung Saar gebildet. Die satzungsgemäße (Haupt-)Aufgabe ist die Projektträgerschaft des Gewässerrandstreifen-Programms Ill, eines Naturschutzgroßvorhabens mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Dabei steht die Sicherung eines ökologisch hochwertigen Zustands der Ill an erster Stelle. Dazu werden unbebaute Flächen mit Hilfe von Dammöffnungen wieder an die natürliche Dynamik des Flusses angeschlossen. Der gestörte Lebensraum der Aue kann sich dadurch neu entwickeln und der Fluss hat wieder mehr Raum, um sich natürlich zu entfalten. Deshalb fühlt sich auch Biber Berti so wohl hier.
17.5 Millionen Euro wurden vom Bund (75 %), vom Saarland (15 %) und von den Zweckverbandsgemeinden investiert, um Grundstücke anzukaufen und Biotop lenkende Maßnahmen zu realisieren.
Für jung und alt wird seit Beginn des Projekts Biologie zum Anfassen geboten. Man kann an ein- bis vierstündigen Expeditionen durch das Illtal teilnehmen und womöglich schon mal Biber Berti antreffen.
Die Ranger der Naturwacht
In den Nationalparks Amerikas gehören sie seit Jahrzehnten zum vertrauten Bild. Jetzt gibt es sie auch im Saarland: Ranger.
Drei von vier Rangern wurden bei der Naturlandstiftung Saar angestellt: Manuel Krause, Frank Grütz und Rasmund Denné. Die Ranger sollen zum einen ein wachsames Auge auf die Naturschutzgebiete im Land haben und zum anderen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der Natur vertraut machen. Sie sind Profis in ihrem Metier und haben einen mehrmonatigen Ausbildungslehrgang absolviert. Schwerpunktmäßig kümmern sie sich um die vier größten Naturschutzgebiete im Saarland: Südlicher Bliesgau / Auf der Lohe, Wolferskopf, Täler der Ill und ihrer Nebenbäche sowie das Waldschutzgebiet Steinbachtal / Netzbachtal.
Träger der Naturwacht sind neben der Naturlandstiftung Saar die Naturland Ökoflächen-Management GmbH, das Umweltministerium sowie die drei Zweckverbände Saar-Blies-Gau / Auf der Lohe, Wolferskopf und Illrenaturierung. Die Erstausstattung wurde aus Totomitteln finanziert.


